Was ändert sich, wenn der Internethandel mit Arzneimitteln in Deutschland legalisiert wird?

 

Wird der Versandhandel mit Arzneimitteln im Internet legalisiert, so werden einige bestehende Gesetze, die eine hohe Qualität in der ambulanten Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln sichern, ad absurdum geführt.

 

Die Folge ist ein Qualitätsverlust in der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln.

 

Konkret sind dies:

 

·        Wegfall des 24h-Notdienstes

Wenn öffentliche Apotheken mit anderen Anbietern konkurrieren müssen, kann ein 24h-Notdienst nicht mehr aufrecht erhalten werden, da dieser wirtschaftlich nicht zu vertreten ist. Patienten müssen sich in Notfällen dann entweder direkt an eine Klinik wenden, oder die Notdienstgebühr wird pro Rezept drastisch auf beispielsweise 100 € (im Vergleich zu derzeit 1,50 €) erhöht.

 

·        Keine Anfertigung von Rezepturen

Rezepturen können derzeit auf Grund der Mischkalkulation zu einem günstigen Preis angefertigt werden. Andere Anbieter fertigen Rezepturen überhaupt nicht an. Wenn öffentliche Apotheken mit anderen Anbietern konkurrieren müssen, muss auf die Anfertigung von Rezepturen in Zukunft aus wirtschaftlichen Gründen verzichtet werden. Schließlich muss für diesen Service große Labor- und Rezepturräume angemietet werden, eine teure Laboreinrichtung angeschafft werden, und hoch qualifiziertes Personal angestellt werden.

Oder die Anfertigung von Rezepturen wird reell kalkuliert, was eine drastische Erhöhung des Preises pro Rezeptur zur Folge hat.

 

 

·        Wegfall des ausschließlichen Dispensierrechtes in Apotheken

Arzneimittel für die ambulante Versorgung dürfen in Deutschland nur in öffentlichen Apotheken abgegeben werden. Dies ist nach Einführung des Internethandels nicht mehr zu begründen. Arzneimittel können dann beispielsweise im Drogeriemarkt bezogen werden. Dort werden sie jedoch durch nicht qualifiziertes personal ohne jegliche Beratung und Kontrolle abgegeben.

 

·        Wegfall von über 100 000 hoch qualifizierten Arbeitsplätzen

Es ist nicht einzusehen, warum im Versandhandel oder in Drogerien Hilfskräfte die Arzneimittel an den Patienten abgeben, öffentliche Apotheken jedoch bestens ausgebildetes Personal beschäftigen müssen. Diese Arbeitsplätze werden in Zukunft durch billige Aushilfskräfte ersetzt werden müssen.

 

·        Wegfall der kompetenten Beratung

Selbstverständlich sind Hilfskräfte zu einer kompetenten Beratung nicht in der Lage.

     

·        Änderung der Arzneimittelpreisverordnung

In Zukunft wird die Nachfrage den Preis bestimmen. Preissteigerungen bei einer Vielzahl von Arzneimitteln zum Beispiel im Winter werden die Folge sein. Letztendlich werden die Kassen den Patienten vorschreiben, in welcher Apotheke sie ihre Arzneimittel zu beziehen haben.

 

·        Aufhebung des Verbots von Fremd- und Mehrbesitz

Es ist sinnlos, den Besitz von mehr als einer Apotheke zu verbieten, wenn Patienten ihre Arzneimittel unkontrolliert und unkontrollierbar bei ausländischen Großhändlern über das Internet beziehen dürfen.

In der Folge werden sich Apothekenketten bilden, die dann auf Grund der höheren Einkaufsmengen die billigsten Verkaufspreise anbieten können. Somit werden eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen zugunsten von Großkonzernen zerstört.

 

·        Verschwinden von Apotheken aus der Fläche

Da in Zukunft Arzneimittel von jedermann verkauft werden können, wird die Apothekendichte zurückgehen. Die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung ist dann nicht mehr gewährleistet. Insbesondere ältere Patienten werden darunter zu leiden haben, da der Weg zum Medikament weiter wird.

 

·        Keine Attraktivität von pharmazeutischen Berufen

Wenn Arzneimittel von jedermann abgegeben werden dürfen, warum sollen sich junge Menschen noch für einen pharmazeutischen Beruf entscheiden? Hoch qualifiziertes Personal wird dann ja weder in Apotheken noch bei anderen Anbietern benötigt. So werden insbesondere der pharmazeutischen Industrie in Zukunft gut ausgebildete Fachkräfte fehlen.