Verdienen die Apotheken in Deutschland an jedem Medikament wirklich 30 %?

 

 

Dazu sagen wir nur: „Schön wär´s!!!“

 

Aber jetzt im Ernst: Diese Zahl wird in letzter Zeit oft und gern verwendet, um das riesige Einsparpotential bei den Arzneimittelausgaben aufzuzeigen.

 

Dabei wird leider unterschlagen, dass die deutschen Apotheken nur aufgrund einer Mischkalkulation wirtschaftlich arbeiten können. So gibt es in der Tat Arzneimittel, bei denen die Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis um die 30% liegt. Dies gilt aber nur für niedrigpreisige Arzneimittel. Für hochpreisige Arzneimittel liegt diese Differenz nur noch bei 8%. Bei anderen Arzneimitteln wird gar kein Gewinn erzielt. So steht beispielsweise der von den Krankenkassen gezahlte Betrag für die Anfertigung einer Rezeptur in keinem Verhältnis zum wirtschaftlichen Aufwand.

 

Mischkalkulation bedeutet, dass die deutschen Apotheken aufgrund von höheren Einnahmen bei bestimmten Arzneimitteln auch in der Lage sind, andere Arzneimittel ohne Gewinn abzugeben, beispielsweise Rezepturen.

Erst durch die Mischkalkulation wird der 24h-Notdienst der öffentlichen Apotheken ermöglicht.

 

Schließlich lebt die Apotheke vom so genannten Rohgewinn, also der Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben für den Wareneinkauf. Dieser Rohgewinn muss bei 30% liegen, damit eine deutsche Apotheke wirtschaftlich arbeiten kann. Denn von diesen 30% müssen auch alle Kosten getätigt werden, insbesondere verdient hoch qualifiziertes Personal wie Sie es in deutschen Apotheken vorfinden nun einmal „etwas“ mehr, als die unausgebildeten Hilfskräfte, die Päckchen packen.

 

Nach Abzug aller Kosten liegt der tatsächliche Gewinn des Inhabers einer Apotheke dann im einstelligen Prozentbereich und ist durchaus vergleichbar mit dem Verdienst eines angestellten Hochschulabsolventen in der freien Wirtschaft.

 

Übrigens: Der 24h-Notdienst darf nur von Apothekerinnen bzw. Apothekern  und Pharmazie-Ingenieurinnen bzw. Pharmazie-Ingenieuren, also Leuten mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium in einem pharmazeutischen Beruf durchgeführt werden. Die entstehenden Personalkosten stehen in keinem Verhältnis zu den Einnahmen während eines Notdienstes.